Entwicklungsförderung
Welche Bereiche von Entwicklungsdefiziten werden behandelt?

 

Wahrnehmung
Definition: Allgemeine Bezeichnung für den komplizierten Vorgang der subjektiven Sinneswahrnehmung von Umwelt- und Körperreizen, deren Weiterleitung und Verarbeitung im Gehirn.

Der Wahrnehmung liegen sieben verschiedene Sinnessysteme zugrunde. Diese nehmen die Reize auf und leiten sie weiter zum Gehirn. Die Sinnessysteme lassen sich in Nah- und Fernsinne unterscheiden.

Bei den Nahsinnen besteht der unmittelbare Kontakt des Körpers mit der Reizquelle. Zu den Nahsinnen gehören:

Bei den Fernsinnen ist die Reizquelle vom Körper entfernt, sie wird aber dennoch wahrgenommen. Zu den Fernsinnen gehören:

Die Verarbeitung der Sinneseindrücke findet in verschiedenen Zentren des Gehirns statt. Nur ein sehr geringer Teil wird uns bewusst. Über 99% aller Sinneseindrücke, die wir aufnehmen, werden abgeblockt und bleiben unbewusst. Die Auswahl, das heißt, welche Reize bewusst wahrgenommen werden, ist individuell sehr unterschiedlich. Neue Reize werden mit bisherigen Erfahrungen der Umwelt und der Eigenwahrnehmung verglichen, eingeordnet und gespeichert.

Die Wahrnehmungssysteme bilden ein Fundament für die Entwicklung des Menschen. Zusammen mit der Bewegungsfähigkeit bilden sie die Grundlage für die Intelligenzentwicklung.

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Feinmotorik
Definition: Feinmotorik ist die gezielte koordinierte Bewegung, die sich in der Handgeschicklichkeit zeigt.

Zu den kompliziertesten Bewegungen, derer ein Mensch fähig ist, gehören die der Hände. Zusammen mit dem Tastsinn bildet die Bewegungsfähigkeit der Hände und der Finger die motorische Grundlage allen Handelns. Das Handeln wiederum ist eine wesentliche Voraussetzung zur Entwicklung der Intelligenz.

Die Entwicklung der Handgeschicklichkeit bzw. der Feinmotorik verläuft parallel zur Gesamtentwicklung des Kindes, wobei die Phasen jedoch individuell etwas abweichen können.

Arbeiten alle Sinnessysteme (Sehen, Fühlen, Gleichgewicht usw.) gut zusammen, kann das Kind z. B. folgende Entwicklungsschritte durchlaufen:

2. Monat

 

halten einer Rassel ohne willkürliches loslassen

4. Monat

 

Spiel mit beiden Händen (Hand-Hand-Koordination)

12. Monat

 

benutzen des Zangengriffs

15. Monat

 

essen mit dem Löffel

Bei einer gestörten Sinneswahrnehmung dagegen zeigt sich eine eingeschränkte Handlungsfähigkeit, die zunächst im Alltag und später in der Schule sichtbar wird.

Die Handgeschicklichkeit setzt sich aus verschiedenen Teilaspekten zusammen, z. B. der Hand- und Fingerkraft, der Hand- und Fingergeschicklichkeit, der Zielgenauigkeit und aus den exakten Einzelbewegungen eines Körperteils. Die Motivation zum eigenen Handeln ist dafür eine wichtige Voraussetzung. Das Kind muss daher Erfahrungen mit seinem Körper und allen Sinnessystemen machen, um seine Umwelt durch „Anfassen“ begreifen zu können.

Bevor feinmotorische Übungen in die Therapie eingebaut werden können, muss als Grundlage eine umfangreiche Bewegungserfahrung vorhanden sein. Es muss daher ausgeschlossen werden, dass das Kind Probleme in der Grobmotorik hat, wie z. B. zu niedrige Muskelspannung oder eine auffällige Körperempfindung. Kinder mit einer auffälligen Grobmotorik sind ungeschickt, können ihre Bewegungen der beabsichtigten Tätigkeit nicht anpassen.

Die Grobmotorik steht also in einem direkten Zusammenhang mit der Entwicklung der Feinmotorik. Die Verbesserung von feinmotorischen Schwierigkeiten und der Abbau der ablehnenden Haltung z. B. dem Malen gegenüber, erfolgt durch grob- und feinmotorische Förderung.

Auch wenn eine feinmotorische Störung diagnostiziert wird, beginnt die Therapie aus diesem Grund sehr häufig in einem anderen Bereich. Die Eltern sind dadurch oft verunsichert und fragen sich, ob die Therapie den Bedürfnissen des Kindes angemessen ist.

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Graphomotorik
Definition: Graphomotorik ist Schreibbewegung, ist differenziertes, rhythmisches Bewegen und somit die feinste Koordinationsleistung des Menschen.
Außerdem ist die Graphomotorik ein wichtiges Kommunikationsmittel.

Vorstufe ist die Feinmotorik. Ungefähr im 4. Lebensmonat entwickelt sich die Hand-Hand-Koordination und die Auge-Hand-Koordination, die eine wichtige Voraussetzung für die graphomotorische Entwicklung eines jeden Menschen ist. Im 2. und 3. Lebensjahr bildet sich die Fingergeschicklichkeit weiter aus. Der Dreipunktgriff (greifen mit Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger) ist mit 4 - 5 Jahren möglich. Das Kind ist dadurch in der Lage, Bewegungen mit situationsabhängiger Kraft, Geschwindigkeit und Genauigkeit auszuführen.

Eine Ursache, die zu einer graphomotorischen Störung führen kann, ist eine verspätete oder verzögerte Handdominanzentwicklung (Rechts- oder Linkshänder).

Auffallen würden feinmotorische Koordinationsprobleme, die später die Graphomotorik negativ beeinflussen können. Dies äußert sich in einer zittrigen oder unordentlichen Schrift, in einer verlangsamten Schreibgeschwindigkeit, in zu hohem Schreibdruck oder einer Störung im Schreibfluss.

Bei Problemen in der Feinmotorik wird das Kind wenig oder ungern malen. Dadurch hat es zu wenig Übung und wird beim Schreiblernprozess in der Schule mit dem Tempo nicht mithalten können. Graphomotorische Störungen sind daher oft für Schulschwierigkeiten verantwortlich, da das Kind über einer Leistungsgrenze arbeiten muss, für die es nicht reif genug ist.

Anfangs ist für die Graphomotorik eine hohe Konzentrationsleistung erforderlich. Durch die Automatisierung der Schreibbewegungen kann das Kind seinen individuellen Schreibrhythmus entwickeln und das Schreibtempo steigern.

Eine Grundlage für die graphomotorische Entwicklung ist die visuelle Wahrnehmung. Dazu gehören:

Wichtig ist aber auch die Körperhaltung – optimale Sitz- und Tischhöhe – die unbedingt beachtet und eingehalten werden muss.

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Mundmotorik
Definition: Der Mund-Rachen-Raum besitzt eine Vielzahl von Muskeln, die durch eine sehr komplizierte Abstimmung zueinander in der Lage sind, das Saugen, Essen, Schlucken, Erbrechen zu ermöglichen.

Die Mundmotorik wird vor allem von Logopäden geübt. Dennoch fließen auch in der Ergotherapie verschiedene mundmotorische Übungen, wie z. B. Wattepusten, mit in die Therapie ein.

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Selbsthilfetraining
Definition: Beim Selbsthilfetraining werden die täglich wiederkehrenden lebensnotwendigen Verrichtungen, wie An- und Ausziehen, Essen und Trinken, Körperpflege, Toilettengang eingeübt und eine selbständige Verrichtung angestrebt.

Die Selbständigkeit und die selbständige Verrichtung der Aktivitäten des täglichen Lebens ist für die kindliche Entwicklung und das Selbstbewusstsein (natürlich auch der Erwachsenen)  äußerst wichtig. In der Therapie müssen der Entwicklungsprozess sowie die Wahrnehmung berücksichtigt werden. So können einige Kinder die Handlungsabfolge einer Tätigkeit nicht überblicken bzw. planen, oder sie können aufgrund einer körperlichen Behinderung bestimmte Bewegungen nicht ausführen.  Hier setzt dann die Therapie mit entsprechenden Übungen an.

Auch die Hilfsmittelversorgung und –anpassung (Schreibhilfen, Ess- und Sitzhilfen, Fortbewegungsmittel u. a.) und das entsprechende Training gehören zum Selbsthilfetraining. Hilfsmittel dienen somit zum Ausgleich oder zur Vorbeugung einer Behinderung bzw. zur Sicherung einer Heilbehandlung. Ihr Gebrauch kann vorübergehend oder ständig notwendig sein. Wenn ein Kind bei all diesen Tätigkeiten die eigenen Fähigkeiten sowie Unabhängigkeit erfährt, kann es darüber auch Selbstvertrauen entwickeln sowie die Motivation zum weiteren Experimentieren und Lernen.

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Lernen
Definition: Das Lernen beschreibt den Vorgang unseres Gehirns, Informationen, die im täglichen Leben auf eine Person zukommen, zu verarbeiten und bei Bedarf wieder zur Verfügung zu haben.

Eine der wesentlichen Leistungen unseres Gehirns besteht darin, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen und die Konzentration auf relevante Dinge zu lenken. Für diesen Vorgang sind der Wach- und Aufmerksamkeitsgrad, die Erwartungshaltung, Emotionen und die Motivation sowie die Intensität des Reizes ausschlaggebend. Werden diese Faktoren optimal genutzt, ist die individuelle Ausdauer und Belastbarkeit am höchsten, die Arbeits- und Reaktionszeit am geringsten. Erwartete Reize werden schneller aufgenommen als unerwartete, positive besser als negative.

Spaß haben ist der Inbegriff für gutes Lernen.

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Sozioemotionales Training
Definition: Das sozioemotionale Training wird bei Kindern, die Probleme beim Sozialkontakt mit Gleichaltrigen und erwachsenen Personen haben oder auch sich selbst nur sehr mangelhaft in ihren Emotionen steuern können, eingesetzt. Von besonderer Bedeutung ist die Wahrnehmung der eigenen Gefühle und Bedürfnisse sowie deren angemessene Umsetzung unter Beachtung der realistischen Erwartungen und Wünsche der Umgebung.

Die sozioemotionalen Fähigkeiten können durch allgemeine Spiele, Rollenspiele, psychomotorische Spiele, handwerkliche Arbeiten, Gruppenarbeiten und Gespräche gefördert werden. Dadurch können Emotionen abgebaut, angebahnt und ausgelebt werden. Dies ist ganz individuell möglich.

 

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Praxis für Ergotherapie

Manuela Schleußner